Büttel

Foto St.-Marien-Kirche in Büttel, Foto ©RTG

Informationen zu Büttel

  • 264 Einwohner (Januar 2012)
  • St.-Marien-Kirche mit Sonnenuhr - mehr Informationen
  • Grabstelle von Hake Betken – die Sage ist im großen Sagenbuch "Hake Betken siene Duven" enthalten
  • Siel- und Schöpfwerk Untere Lune, Besichtigungen möglich, Anmeldung: Tel. 04740/580
  • Alte Viehwaage (dahinter alter Sportplatz, priv.)
  • Sportvereine, Schützen und Feuerwehr. Aktiver Bürgerverein Büttel und Umgebung: Weihnachtsmarkt, 17 Laternen mit Geschenkpäckchen, beleuchtete Weihnachtsbäume
  • Dorferneuerung 2004 (Bereich um die Kirche)

 

Nordseezeitung - Serie 'familienfreundlich' vom 27.03.2012

Der Mörder verrät sich selbst

Von BARBARA FIXY
BÜTTEL. Büttel hat zwar eine Kirche mitten im Dorf, aber nur die wenigsten Bütteler gehen dorthin. Dabei ist man hier an der Lune elf Kilometer südwestlich von Bremerhaven nicht minder gottesfürchtig als anderswo. Die meisten Bütteler gehören jedoch von alters her zur Kirchengemeinde im vier Kilometer entfernten Nachbarort Dedesdorf. Der Grund ist die Grenze zwischen dem Oldenburgischen Landwürden und Wesermünde, die mitten durch Büttel ging.


Nordsee_Zeitung_2012_03_27_BuettelOrtsheimatpfleger Hermann Steffens zeigt auf der Karte der Kurhannoverschen Landesaufnahme von 1768, dass das Hannoversche Büttel wie eine Raute von Stotel aus ins Oldenburgische Land diesseits der Weser hineinragte. „Der größere Teil des Dorfes hieß Buttel ohne Ü-Striche und gehörte wie Dedesdorf zu Oldenburg“, erläutert er die Hintergründe der Kirchenzugehörigkeit.
    Auf einem Anwesen neben der Bütteler Kirche lebte ein reicher Bauer, um dessen grausames Schicksal sich die bekannte Moritat von „Hake Betken un siene Duven“ dreht. Er ist auf dem Friedhof unter einer Doppelplatte aus grauem Sandstein begraben. Dem Bütteler Kirchenbuch zufolge wurde er auf der Rückkehr vom einträglichen Viehhandel in Braunschweig und Hannover am 27. Oktober 1618 auf der Lesumer Heide von drei Männern ermordet und beraubt. Im Sterben soll er gesehen haben, wie ein Schwarm Tauben am Himmel vorbeizog, und mit letzter Kraft gerufen haben: „Ji Duven, ji Duven! Bringt dat an den Dag!“
    Zwei Jahre nach der Tat hat einer der drei Mordgesellen den Verdacht auf sich und seine beiden Kumpane gelenkt. Sie waren auf dem Viehmarkt in Dedesdorf und er rief aus: „Süh, dat sünd Hake Betken siene Duven“, als ein Schwarm Tauben aufflog. Das hörten Bekannte des Ermordeten. So kam es, dass die drei Tatverdächtigen festgenommen, vor Gericht gestellt und später hingerichtet wurden.
    Auf dem Betken-Hof steht heute noch Büttels ältestes Haus, ein Speicher aus dem Jahr 1595. Er soll auch als Festung gedient haben, in die sich die Einwohner zurückzogen, wenn Räuber oder auch marodierende Soldaten in der Gegend waren.
    Der andere Fluchtpunkt war die Kirche. Sie liegt auf einer Wurt auf dem höchsten Punkt in Büttel. Dahin flohen die Menschen bei Hochwasser. Die ersten Häuser Büttels müssen auf eigenen Wurten gestanden haben, denn die Existenz des Ortes, der damals Butli hieß, ist seit 1105 verbrieft. Der Weserdeich aber wurde erst im Jahr 1200 gebaut.

Pastor und Gelehrter

In der Bütteler Kirche hat mit Pastor Johann Telge (1745 bis 1822) ein Universalgelehrter geforscht. Über ihn berichtet Heimatpfleger Steffens, dass er die orientalischen Sprachen, Englisch, Spanisch, Italienisch, Holländisch und Märisch sprach. Etwa 40 Schriften hat er an der Universität Göttingen veröffentlicht. Zum Beispiel hat er nachgewiesen, dass das Schachspiel nicht aus Rom, sondern aus Persien stammt. Er hat sich mit Aberglauben, Gespenstern und dem Hass auf rotes Haar, mit Monogamie und Polygamie befasst. Er hat den Koran übersetzt und soll im hohen Alter noch in einer Sänfte zur Predigt in die Kirche getragen worden sein. Dass er so produktiv war, führt Steffens darauf zurück, dass sein Bütteler Kirchspiel recht überschaubar war mit den wenigen Häusern in Büttel, Schwegen, Neuenlander- und Langendammsmoor sowie einer Handvoll Anwesen im Bramstedter Moor.
    Pastor Johann Hoddersen, einer von Telges Vorgängern im Amt, sandte 1534 mit der Übersetzung der Bibel ins Plattdeutsche aus Büttel ein Zeichen für den Protestantismus. Er hatte mit dem bekannten Bibelübersetzer D. Budenhagen zusammengearbeitet. Die plattdeutsche Bibel erschien in Lübeck.

Chronik
Büttel hat bereits sein 900-jähriges Bestehen gefeiert. Der Ort ist im Jahr 1105 zum ersten Mal in einer Urkunde des Erzbischofs Friedrich von Hamburg und Bremen erwähnt worden. Die heutige Kirche soll auf dem Grundriss älterer Gotteshäuser vor 1500 erbaut worden sein.