Ueterlande

Foto der Finkenburg in Ueterlande, Foto ©RTG

Infromationen zu Ueterlande

  • 376 Einwohner (Januar 2012)
  • Reetgedeckte Häuser in der Oldenburger Straße und Finkenburg
  • Spaziergänge am Intweg nahe der Weser in Richtung Jührde
  • Schuluhr von 1905 wird jeden 3. Tag aufgezogen
  • Auf den Ausgleichsflächen der Luneplate leben acht massige Wasserbüffel aus Rumänien und Italien, die ursprünglich aus den asiatischen Reisfeldern kommen, früher aber auch hier heimisch waren. Sie fressen Gras, Binsen, Schilf und Disteln auf künstlich hergestellten Naturlandschaften.  3000 Jahre alte Knochen von Wasserbüffeln aus dem hiesigen Raum sind im Museum in Bad Bederkesa zu sehen.
  • Vogelschutzgebiet Unterweser mit Flusswattflächen vor der Großen Luneplate gegenüber von Blexen. Schutz von Blaukehlchen und Störchen, Brut und Zugvögeln. Im Oktober/November (je nach Vogelzug) machen die Zugvögel Rast an der Weser.

Nordseezeitung - Serie 'familienfreundlich' vom 26.10.2012

Ueterlande als Sommerfrische

Luneplate bestimmt die Entwicklung des Dorfes – Aufschwung mit Pensionsvieh und Wochenendkolonie

Nordsee_Zeitung_2012_10_26_Ueterlandevon BARBARA FIXY
UETERLANDE. Ohne Luneplate wäre Ueterlande wohl nicht, was es heute ist. Verbunden mit dem Land, das der Weser abgetrotzt wurde, erlebte das Dorf seinen Aufschwung. Erst kam das Pensionsvieh auf die fruchtbaren Weiden, dann kamen die Datschenbewohner aus Bremerhaven. Die mussten aber wieder weg für ein ehrgeiziges Industrieprojekt, das nie realisiert wurde. Heute weiden auf der Plate die Wasserbüffel.

Ueterlande wird im Jahr 1270 erstmals schriftlich im Lehnsregister erwähnt, wie Jürgen Ronnenberg aus dem Nachbarort Overwarfe im Rahmen der Planung für die Dorferneuerung festgestellt hat. Sehenswert sind die großen Bauernhöfe an der Oldenburger Straße, aber auch einige Köthnerhäuser. In einer Reihe stehen sie in der Finkenburg, die von der Ueterlander Sielstraße abzweigt.
    Im 19. Jahrhundert müssen sich die Köthner (Landarbeiter) angesiedelt haben, die wahrscheinlich auf dem großen Haxsen-Hof am Ortseingang oder auf der Luneplate beschäftigt waren. Eine Rarität ist das Rauchhaus, das keinen Schornstein hat. Es steht noch immer als Einzelgebäude am Intweg und wird von den Einheimischen Villa Morgenstern genannt.
    Die Verbundenheit der Ueterlander mit der Luneplate zeigte sich erst kürzlich wieder. Die Gaststätte Campsen war voll, als Cornelius von der Hellen über die Landgewinnung sprach, die eng mit seiner Familiengeschichte verbunden ist.
    1739 tauchte die Luneplate aus dem Weserwasser auf, weil der Fluss versandete. Zwei Placken sollen es gewesen sein, die die Butjadinger Erdmann und Schetter als feines Jagdrevier entdeckten. Vom Boot aus jagten sie die Enten auf den Sänden. Weil Butjadingen damals zu Oldenburg gehörte und unter dänischer Herrschaft stand, ersuchten die beiden Jäger die Königliche Kammer in Kopenhagen, ihnen die neu entstandenen Sandbänke zu überlassen, was ihnen 1767 bewilligt wurde. Als Pacht soll die dänische Regierung einen Sack Enten pro Jahr verlangt haben.
    Die Luneplate wuchs. 1820 wurde sie erstmals von einem Deich umschlossen. Über die Größe des eingedeichten Gebietes findet man unterschiedliche Angaben. Damals aber war schon die Familie von der Hellen auf den Plan getreten. Erdmanns Tochter hatte den Gutsbesitzer und Rittmeister Diedrich Wilhelm von der Hellen aus Wellen geheiratet. Auf dessen Initiative wurde 1821 eine Kettenfähre zur Luneplate eingesetzt für den Auf- und Abtrieb des Viehs im Frühjahr und Herbst. Vorher waren Segelfähren hin- und hergekreuzt.

Zwei Hirtenhäuser

1894 wurde die Fähre durch eine Holzbrücke ersetzt. Das Geschäft mit dem Pensionsvieh muss dermaßen lukrativ gewesen sein, dass es Ende des 19. Jahrhunderts zwei Hirtenhäuser auf sechs Meter hohen Wurten mit je einer Gaststätte auf der Luneplate gab. Von 1923 bis 1925 ließ Diedrich von der Hellen, der Vater des Referenten von neulich, die Luneplate eindeichen und erschließen.
    Auf der neu entstandenen Grünfläche blieb die „Alte Weser“ als Stillgewässer zurück. Das und die Nähe zu Ueterlande lockte in den Sommermonaten die Badenden an. Ende der sechziger und Anfang der siebziger Jahre entstand eine riesige Wochenendkolonie in Ueterlande an der Alten Weser gegenüber der Luneplate mit zuletzt 500 Häuschen. Handel und Wandel im Ort florierten.
    Nach langem Hin und Her erhielten die Wochenendsiedler in den achtziger Jahren die Beseitigungsverfügung, ihre Häuser mussten abgerissen werden. Danach machten der Flugzeugbauer Dornier und BMW Schlagzeilen mit Ansiedlungsplänen, aus denen nichts wurde. Heute ist die Luneplate als Ausgleichsfläche der Natur überlassen und gehört dem Land Bremen.

Chronik

Ueterlande wird im Jahr 1270 zum ersten Mal schriftlich erwähnt. Die Luneplate taucht 1739 zum ersten Mal aus dem Weserwasser auf. Wahrscheinlich im 19. Jahrhundert ist die Finkenburg entstanden, eine Reihe von Köthnerhäusern, die noch heute an vergangene Zeiten erinnern.