Stotel

Foto der St.-Margarethen-Kirche in Stotel, Foto ©RTG

Informationen zu Stotel

  • 2.510 Einwohner (Januar 2012)
  • Stoteler See - Sandstrand mit DLRG-Station, kontrollierte, gute Wasserqualität, Naherholungsgebiet, Größe des Sees ca. 30 ha
  • Naturschutzgebiet Stoteler Moor, Wiedervernässung
  • Wollgras-Fruchtstände im Moor, Ende Mai/Anfang Juni
  • St.-Margarethen-Kirche, 14. Jh. - mehr Informationen
  • Reetgedeckte Häuser im historischen, sanierten Ortskern um die Kirche
  • Staatsforst Stoteler Wald
  • Eine Freske von Hugo Ungewitter in der Volksbank, zwei Fresken im Hotel "Haus am See"
  • Rund-Wanderweg, unter anderem Umwandern des Stoteler Sees
  • Kulturdenkmal Stoteler Straße
  • Kulturdenkmal Jüdischer Friedhof

 

 

Nordseezeitung - Serie 'familienfreundlich' vom 18.10.2012

Grafenhof und Trabantenstadt

Die Hochhäuser auf dem Hohen Feld in Stotel und der Ort dahinter aus der Luft: Dieses Foto kann im Format 30 mal 40 Zentimeter auch in den Kundencentern in der Hafenstraße und in der Oberen Bürger für 12,95 Euro bestellt werden. Außerdem können Sie das Bild im Internet ordern (www.nordsee-zeitung.de). Luftfoto ScheerVon BARBARA FIXY
STOTEL. An den Hof der Grafen von Stotel erinnert heute nur noch ein sanft geschwungener Erdhügel an der Stoteler Straße, dem alten Postweg. Die Edelherren waren unter diesem Namen im 13. Jahrhundert aufgetaucht nach der Schlacht von Altenesch auf der anderen Weserseite, bei der die freien Stedinger Bauern bei einem Kreuzzug geschlagen worden waren, den der Erzbischof von Bremen initiiert hatte.

Die Zeit der Grafen verleiht dem Ort mit den 2517 Einwohnern einen gewissen historischen Glanz, obwohl sie gar nicht mal so lange dauerte. Ortsheimatpfleger Karl-Heinz Bellmer illustriert das Ende der Grafen mit einer Anekdote. Der letzte Graf Rudolf III. starb im Jahr 1350 kinderlos. Seine Witwe verkaufte die Grafschaft danach an das Bremer Domkapitel. Die gute Frau war geschäftstüchtig und trieb den Kaufpreis in die Höhe, indem sie eine Schwangerschaft vortäuschte. Sie wurde dann aber doch von einem Kind entbunden, allerdings erst 13 Monate nach dem Tod des gräflichen Gatten.
    Die mittelalterliche Zeit der Grafen war in der Historienbegeisterung des 19. Jahrhunderts ein Punkt, an dem der Patriot und Dichter Hermann Allmers (1821 – 1902) aus Rechtenfleth anknüpfte. Mit seinen weitläufigen Kontakten sorgte er dafür, dass den Edelherren und dem Gericht unter der Staleke (Gerichtseiche) in Hagen im Historiensaal der damals neu gebauten Gaststätte Grafenhof auf drei Fresken ein Denkmal gesetzt wurde. Die malte der Historienmaler Hugo Ungewitter aus Düsseldorf. Heute sind sie in der Geschäftstelle der Volksbank und im Hotel am See zu bewundern. Der Bremerhavener Kaufmann Carl William Lies hatte das Lokal Grafenhof 14 Jahre nach der Fertigstellung des Bahnhofs der Niederweserbahn in Stotel bauen lassen, der gleich daneben lag.
    Die Gastwirtschaft an der Bahn, in deren weitläufigem Sommergarten sich eine Ulmenallee und auf einem Hügel auch eine Sennhütte befanden, war lange Zeit das Ziel vieler Landpartien der Bremerhavener. 1998 war sie aber so heruntergekommen, dass die Abrissgenehmigung erteilt wurde. Heute steht an Stelle dieses Stoteler Gasthofs die Feuerwache.
    Ebenfalls im Schutt der Geschichte versunken ist das Betonskelett der Stoteler Hochhausruine im Jahr 2002. Es erinnerte jahrelang weithin sichtbar an das ehrgeizige Projekt der frühen siebziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts, in Stotel auf dem Hohen Feld eine Siedlung städtischen Ausmaßes zu bauen. „Jeden Tag wurde eine Etage gebaut. Eigentlich sollten es drei Hochhäuser dieses Zuschnitts werden“, erinnert sich Bellmer, der den Fortschritt damals von seinem Haus aus beobachten konnte und daher noch heute weiß, dass die ersten Bewohner 1972 in die ersten Blocks einzogen.

Zeuge der Aufbruchstimmung

Geblieben ist von der damaligen Aufbruchstimmung ein eigenständiges Viertel im Hohen Feld mit 15 mehrstöckigen Wohnblocks, in denen 750 Einwohner aus 25 Nationen leben. Die Arbeiter der französischen Baufirma, die das Viertel seinerzeit im Akkord hochzogen, waren damals im Stoteler Grafenhof abgestiegen.
    Vor dem Patrioten Allmers hatte der Freiheitskämpfer Hauptmann Hermann Böse (1783 bis 1867) in Stotel das Bildungswesen geprägt. Im Ort geboren, schenkte er der Kirchengemeinde eine Schule. Das Gebäude steht noch heute im alten Dorfkern, dessen Schönheit durch Mittel der Städtebauförderung Ende der achtziger Jahre des 19. Jahrhunderts wieder ans Licht kam. Die Alte Schule, die die Bürger in jüngster Vergangenheit mit hohem Einsatz zum Kulturzentrum umbauten, wurde später errichtet.
    Nicht nur für Stoteler ist heute der See ein Anziehungspunkt, der in den siebziger Jahren durch den Bau des Atomkraftwerks Kleinensiel und der Autobahn entstand.

Chronik

Stotel wird im Jahr 1105 erstmals urkundlich erwähnt und hat daher seine 900-Jahr-Feier bereits hinter sich. Die Grafen und später das Amt Stotel als Station auf dem alten Postweg haben die Geschichte des Ortes geprägt.