Overwarfe

Historisches Foto des Overwarfer Sieltiefs, Foto ©RTG

Informationen zu Overwarfe

  • 156 Einwohner (Januar 2012)
  • 27 reetgedeckte Dächer, davon 9 reetgedeckte Bauernhöfe
  • denkmalgeschütze Hofanlagen Ganten-Lange und Hannken
  • Schöpfwerk Overwarfer Siel, Anmeldung zu Besichtigungen unter Tel. 04740/234
  • Abgeziegeltes Land Overwarfer Siel, Info: 04740/285
  • Wasserbüffel auf der Luneplat, seit Januar 2010 unter Verwaltung von BremenPorts
  • Ehemaliger Wallfahrtsort, Brunnen von 1656 hinter dem Haus der Familie von Hasseln, soll heilendes Wasser enthalten haben
  • Wandern und Rad fahren fernab des Verkehrs auf der Großen Luneplate ab Ueterlande oder Overwarfe bis zum Erdmannssiel

 

 

 

 

 

Nordseezeitung - Serie 'familienfreundlich' vom 04.09.2012

Overwarfe als Wallfahrtsort

Wunschbrunnen soll heilende Wirkung gehabt haben – Overwarfe ist jünger als die anderen Orte umzu

Overwarfe aus Richtung Ueterlande gesehen: Dieses Foto kann im Format 30 mal 40 Zentimeter auch in den NZ-Kundencentern in der Hafenstraße und der Oberen Bürger für 12,95 Euro bestellt werden. Außerdem können Sie das Bild auch im Internet ordern (www.nordsee-zeitung.de). Luftfoto Scheervon BARBARA FIXY
OVERWARFE. Overwarfe ist nicht Mitglied im Club der 900-jährigen Orte, weil sein Name in der Urkunde des Bremer Erzbischofs von 1105 nicht auftaucht, in der die meisten anderen in der Region erwähnt sind. Dafür hatte dieses 155 Einwohner zählende Dorf etwas, was sonst kein anderes in der Umgebung hat: einen Wunschbrunnen. Überliefert ist, dass Overwarfe im 17. Jahrhundert ein Wallfahrtsort gewesen sei.

Es könnte eine Art Quelle gewesen sein, die sich „anno 1656 in der heiligen Fastenzeit“ plötzlich auftat. Sie soll in der Nähe des Hofes des damaligen Kirchengeschworenen Johann Eimers entstanden sein. Heute lebt auf diesem Hof, der zudem auf der höchsten der beiden Wurten Overwarfes liegt, die Familie von Hasseln. Der Brunnen ist verschwunden. Man vermutet, dass er im Apfelgarten des Nachbarhofes Deelwater lag.
    Das aber tat der ihm zugesprochenen Wunderwirkung vor rund 300 Jahren wohl keinen Abbruch. Darüber ist in der Landwürder Chronik vermerkt, „dass sich nach und nach Leute von vielen Ohrten mit allerley Gebrechen beladen, in Hoffnung, dadurch zur Besserung zu gelangen“, am Brunnen eingefunden hätten. Ob die Erwartungen all jener erfüllt wurden, bleibt offen. Berichtet wird aber von einem Mann aus Uthlede, der schlecht zu Fuß gewesen sei. Er soll sich nach Pfingsten am Brunnen aufgehalten haben und zu Fuß nach Haus gegangen sein. Jedenfalls muss er mit dem Ergebnis zufrieden gewesen sein, da er für die Armen noch im selben Sommer 18 Thaler spendete.
    Jürgen Ronnenberg, der sich in der Geschichte des Ortes auskennt, hat sich eine Erklärung für die wundersame Entstehung dieses Brunnens zurechtgelegt. „Es könnte sich um eine artesische Quelle gehandelt haben, die wieder versiegt ist.“ So etwas entsteht in einer Senke unterhalb des Grundwasserspiegels unter hohem Druck. Der könnte durch die Last der Wurt ausgeübt worden sein, auf der heute der Hof von Hasseln steht. Der war übrigens der einzige in Overwarfe, der bei der hohen Weihnachtsflut 1717 nicht überschwemmt wurde. Man vermutet, dass dieser künstlich aufgeworfene Hügel besiedelt war, noch bevor Overwarfe existierte. Für diese Annahme spricht, dass das Siel westlich des Ortes bis 1699 zunächst Wiemsdorfer und später erst Overwarfer Siel hieß.

Ortsteil Overwarfersiel

Noch heute existiert ein Ortsteil namens Overwarfersiel. Früher muss er direkt am Ausgang des Siels gelegen haben, was man heute nur noch ahnt. Hier standen Ziegeleien, weil auf der Weser Brennmaterial, Muscheln und Steine an- und abtransportiert werden konnten. Aber auch eine Fischerei wird hier 1655 erwähnt und dürfte zur Entstehung dieses Ortsteils beigetragen haben.
    Um 1900 waren die Ziegeleien verschwunden, nur eine Gaststätte und die Fischerei waren noch übrig geblieben. 1934 entstanden in Overwarfersiel auf dem teilweise abgetragenen Deich acht bäuerliche Anwesen nach einheitlichen Bauplänen. Die Siedlung steht noch heute und ist Zeuge des nationalsozialistischen Reichsbauernprogramms. Vier Höfe standen im nördlichen, vier im südlichen Bereich der Sielstraße. Heute liegt die Weser ein Stück weit von Overwarfersiel entfernt. „Man vermutet, dass der Hafen bei der Begradigung der Weser verschlickt ist“, berichtet Ronnenberg. Mit der Eindeichung der Luneplate hatte der Deich an dieser Stelle seine Bedeutung vollends verloren.
    Die Straße durch Overwarfe, heute Warftenstraße genannt, wurde 1866 gebaut. Vorher gab es einen Kirchpfad, der auf den Deich und nach Dedesdorf führte. Das erste Schulgebäude wurde 1775 errichtet und musste 1806 schon wieder neu gebaut werden, weil es einzustürzen drohte.

Chronik

Overwarfe hat im Jahre 1656 einen geheimnisvollen Quell gehabt, dem gesundheitsfördernde Wirkung zugesprochen und der im Kirchenbuch erwähnt wurde. Die Straße erhielt das Dorf 1866, das erste Schulgebäude wurde 1775 erbaut und 1806 wieder neu gebaut, weil es einzustürzen drohte.