Neuenlande

Foto eines reetgedeckten Hauses in Neuenlande

Informationen zu Neuenlande

  • 141 Einwohner (Januar 2012)
  • Naturschutzgebiet entlang der Drepte – Feuchtbiotope mit vielen Tierarten
  • Abenteuer-Spielplatz an der Schützenhalle
  • Reetgedeckte Häuser an der Neuenlander Straße
  • Neues Drepte-Siel
  • Wandern zum Deich und zum Siel-Schöpfwerk
  • Wandern im Moorgebiet „Reepen“ und im Blömkenmoor
  • Beobachten der Wasservögel an den Feuchtbiotopen

 

 

Nordseezeitung - Serie 'familienfreundlich' vom 24.08.2012

Vom reichen Sklavenhändler

Übergekochtes Leinöl führt 1873 zum großen Brand in Neuenlande – Hebamme kommt von Wiemsdorf

Nordsee_Zeitung_2012_08_24_Neuenlandevon BARBARA FIXY
NEUENLANDE. Schon der Name gibt zu denken, was wohl einmal neu an diesem Neuenlande war, als seine Ureinwohner es besiedelten. Diesem Gedanken ist auch der Kassebrucher Lehrer Heinrich Schriefer nachgegangen, der sein Buch über „Hagen und Stotel“ 1901 veröffentlichte. Dort liest man die spannende Geschichte vom Untergang der Dörfer Buttel, Breckhusen, Nigelande, Aligwerfen und Crennesse.

Alle fünf sollen in der Weser versunken sein, weil das Ufer auf der hiesigen Seite im Verlauf von Jahrhunderten stark abbröckelte. Verursacht worden ist das laut Schriefer, als vier große Nebenarme der Weser vom großen Fluss abgeschnitten wurden und sich dadurch die Strömung erheblich verstärkte. Der Sage nach soll Neuenlande von den Einwohnern des untergegangenen Dorfes Aligwerfen gegründet worden sein. Doch die Nachfahren Schriefers glauben nicht so recht daran.
    Hermann Steffens, Ortsheimatpfleger im Nachbarort Büttel, kennt sich auch in der Geschichte Neuenlandes aus. Er erinnert sich noch selbst an Zeiten, als es in Neuenlande zwei Lokale gab, und der Wirt Louis Meyer sonntagvormittags mangels Kühlschrank den Schnaps aus der Thermosflasche ausschenkte, und man schnell einen sitzen hatte, wenn man sich zu lange bei ihm aufhielt. Als er tot war, trat diese Gefahr verstärkt in der zweiten Gaststätte von Hans Meyer auf. Heute gibt es im 141-Seelen-Dorf gar keinen Tresen mehr, an Korn ausgeschenkt wird. Zuletzt hatte nur noch das Deutsche Haus geöffnet, das zum Verkauf steht.
    Steffens glaubt nicht an die Geschichte vom Wiederaufbau Aligwerfens in Neuenlande, weil es von den historischen Daten her nicht hinkommt. Neuenlande wird in der Urkunde des Bremer Erzbischofs 1105 erstmals erwähnt, Aligwerfen laut Schriefer aber auch. Also müssen beide zur selben Zeit existiert haben.
    Im Dorf erzählt man sich eine nicht minder aufregende Geschichte über die Villa Wittmer, die nicht mehr existiert. Sie soll von einem Bohlke Wittmer gebaut worden sein, der 1870 aus den USA in sein Heimatdorf Neuenlande zurückgekehrt sei, weil ihm in Amerika der Boden zu heiß geworden sein soll. Er soll dort angeblich im Sklavenhandel zu Reichtum gekommen sein. Jedenfalls kehrte er als reicher Mann zurück. Und zwar nicht allein. Er brachte seinen dunkelhäutigen Diener mit. Einen Menschen, wie man ihn in dieser Gegend zu jener Zeit noch nie gesehen hatte.

Götterfiguren der Antike

Für 250000 Goldmark ließ sich Bohlke Wittmer in Neuenlande eine schlossartige Villa bauen. Sie hatte zwei Stockwerke, war mit Freitreppe und einem Turm mit Uhr versehen und wurde 1882 fertiggestellt. Im Turm soll sich eine Sternwarte befunden haben. Fußböden und Treppenstufen im Haus sollen aus Marmor gewesen sein, die Treppe mit Götterfiguren der Antike dekoriert. Das Haus hatte eine wechselvolle Geschichte. Nach dem Zweiten Weltkrieg waren Flüchtlingsfamilien darin untergebracht. Zuletzt sackte das schwere Bauwerk in den Marschboden, geriet in Schieflage und wurde abgerissen.
    Auch die anderen Geschichten über Neuenlande sind filmreif. Von der Hebamme, die hier früher die Kinder auf die Welt holte und mit dem Fahrrad aus Wiemsdorf angeradelt kam – sogar am kältesten Tag im bitterkalten Nachkriegswinter 1946.
    Oder vom Maler Heuwinkel, der auf offenem Herdfeuer Leinöl kochte. Das Töpfchen kochte über, das Öl entzündete sich am Herdfeuer und setzte das Reetdach in Brand. Innerhalb von zwei Stunden lagen die Nachbarhäuser in Schutt und Asche. Das war der große Brand am 7. August 1873.
    1968 brannte der Hof Ganten ab. Wo er stand, ist an der Straße Neue Helmer ein Baugebiet mit zehn Bauplätzen entstanden.

Chronik

Neuenlande mit Reepen hat bereits sein 900-jähriges Bestehen gefeiert. Es wurde in der erzbischöflichen Urkunde von 1105 zum ersten Mal erwähnt. 1873 erlebte Neuenlande seinen großen Brand, als einem Malermeister das Leinöl überkochte und Feuer fing.