Nesse

Foto von Pferden im Nebel bei Nesse, Foto ©RTG

Informationen zu Nesse

  • 1.413 Einwohner (Januar 2012)
  • Villen ab 1850 an der Lindenstraße
  • Kleingärten An der Lehmkuhle

 

 

 

 

Nordseezeitung - Serie 'familienfreundlich' vom 21.08.2012

In Nesse gab es einen Galgen

Die Ortschaft im Süden Bremerhavens ist nach dem Zweiten Weltkrieg stark angewachsen

von BARBARA FIXY
NESSE. Die Nesser sind offenbar schon immer ein freies Völkchen gewesen. „Sie waren weder Leibeigene noch Vasallen, die auf dem Land der Kirche oder des Adels ackern mussten“, berichtet der ehemalige Ortsvorsteher Helmut Zweigle, der zusammen mit anderen Autoren die Nesser Chronik verfasst hat.

Politisch gehörte Nesse zu Stotel, konfessionell zu Loxstedt, berichtet Zweigle. „Das war sehr schlau gewählt. So konnten sie einen gegen den anderen ausspielen“, fährt der Geschichtskundige fort. Die Nesser hätten sogar ein eigenes Gericht gehabt und einen Galgen, der soll an einem Ort namens Hackenburg gestanden haben. Neben diesem Galgen soll man um 1700 sogar die Reste einer Kapelle gefunden haben.
    Urkundlich erwähnt wurde Nesse zum ersten Mal 1105, damals als Lindennessa. Zweigle geht aber davon aus, dass es den Ort bereits früher gab. Nesse wird abgeleitet von Näs wie Nase. Tatsächlich liegt das Dorf auf einem Geestrücken in der Marsch. Es gibt sogar eine Sage, dass bei Nesse früher ein Schiff auf dem Geestrand gestrandet sei. Die Autoren der Nesser Chronik meinen, dass dieses Ereignis, wenn es denn wahr ist, bestimmt während einer Sturmflut stattgefunden haben müsse.
    Fest steht allerdings, dass die Lindenstraße, Nesses Hauptstraße, wohl nicht älter als 100 Jahre ist. Sie führt direkt vorbei am alten Ortskern. Zweigle vermutet sogar, dass dieser alte Kern von einer Mauer umschlossen gewesen sein könnte. Darauf lassen Straßennamen schließen wie Mühlentor, Helmter Tor und ehemals das Müllertor, der Anfang der heutigen Georgstraße. Diese Straßen führen direkt auf die heutige Lindenstraße, die früher nur ein Feldweg war. 1956 wurden die Linden gefällt und die Straße verbreitert.
    Zeichen des Reichtums der früheren Bauern Nesses, das man auch heute noch sieht, sind drei Villen an der Lindenstraße. Nesse ist nach dem Zweiten Weltkrieg in verschiedenen Siedlungswellen stark angewachsen, so dass das neue Nesse größer ist als das alte. Einen Dorfmittelpunkt sucht man im langgezogenen Ort vergebens. „Früher lag das Zentrum an der alten Sporthalle“, sagt Zweigle, aber die sei privatisiert worden.
    Die älteste Nachricht von einer Schule in Nesse stammt aus dem Jahr 1715. Da wird im Loxstedter Kirchenbuch von einem Nebenschulmeister in Nesse berichtet. Es hat verschiedene Schulgebäude in Nesse gegeben, eins ist im Jahr 1863 abgebrannt. Außerdem gab es eine Privatschule, die im 19. Jahrhundert gegründet wurde, weil die damalige Gemeinde keine zweite Klasse einrichten wollte. Heute gehen die Grundschüler aus Nesse in die Stoteler Grundschule und später in das Schulzentrum in Loxstedt.
    Nesse besaß von 1911 bis 1964 sogar einen Bahnhof der Niederweserbahn, die von Wulsdorf bis Farge führte. Das Wirtschaftsleben blühte. Es gab sechs Gastwirtschaften, Kolonialwarenladen, Bäckerei, Käseherstellung, Zeugladen und Lederwarengeschäft. Volksbank und Kreissparkasse waren im Ort präsent, Imkereien, Schuster, Tischler, Stellmacher und von 1826 bis 1844 sogar eine Schnapsbrennerei. Acht Ziegeleien gab es an der Lune in Nesse. Auf einer dieser Ziegeleien hat sich die Gewürzmühle Nesse entwickelt, die vom weltweit agierenden israelischen Konzern Frutarom übernommen wurde und der größte Arbeitgeber in Nesse ist. 1949 hatte der Drogist Robert May aus Elbing in Westpreußen die Firma neu gegründet.

Baden in der Lune

Die Lune ist nicht nur der Handelsweg gewesen, auf dem der Torf geliefert wurde und die Nesser ihre Ziegel nach Bremerhaven verschifften. Sie ist auch der Fluss gewesen, in dem die Kinder das Schwimmen lernten, und zwar laut Zweigle an der Stelle, wo heute das Autohaus Klinke firmiert.

Chronik

Erstmals erwähnt worden ist Nesse im Jahr 1105. Es hatte später sogar eine Kapelle, deren Reste man um das Jahr 1700 an einem Ort namens Hackenburg fand. Im Jahr 1715 gibt es im Loxstedter Kirchenbuch einen Hinweis darauf, dass ein Nebenschulmeister in Nesse unterrichtete.