Maihausen

Foto einer Weide in Maihausen, Foto ©RTG

Informationen zu Maihausen

  • 47 Einwohner (Januar 2012)
  • kleinste Ortschaft der Gemeinde
  • landwirtschaftlich geprägt

 

 

 

 

 

Nordseezeitung - Serie 'familienfreundlich' vom 07.08.2012

Häuser auf Wurten gebaut

Weihnachtsflut 1717 war für kleines Maihausen große Katastrophe – Schule im benachbarten Wiemsdorf

Von BARBARA FIXY
MAIHAUSEN. Maihausen, rund 20 Kilometer südlich von Bremerhaven gelegen, mag mit 47 Einwohnern das kleinste der untersuchten Dörfer in der großen NZ-Familienserie sein. Aber es existiert bereits seit 737 Jahren und hatte in seiner Geschichte schon mehr Einwohner als heute. 59 Einwohner lebten hier 1681. In den Jahren 1702 und 1905 wurden 78 registriert. Spitzbuben sorgten dafür, dass die Existenz Maihausens seit 1275 schriftlich belegt ist.

Nordsee-Zeitung_2012-08-07_ Maihausen

Meke von „Menighusen“ und seine Brüder mussten in einer Urkunde aus diesen Jahr dem Weserraub abschwören. Das bedeutete aber nicht, dass auch andere Einwohner des Ortes auf diese nicht ganz einwandfreie, wohl aber lukrative Einnahmequelle verzichteten. Jedenfalls ist ebenfalls belegt, dass um 1306 auch ein Onike von „Mimmgehusen“
abschwören musste.
    In den ältesten Kirchenbüchern wechseln die Namen „Minniehusen“, „Menjehusen“, „Menninghgusen“ und um 1713 „Meyhusen“ sowie später „Maihausen“ einander ab.
    „Befasst man sich mit Maihausens Geschichte, muss man die Parallelen zur Geschichte der übrigen Landwürder Ortschaften Dedesdorf, Eidewarden, Overwarfe, Ueterlande und Wiemsdorf berücksichtigen, die geprägt ist durch 492 Jahre Zugehörigkeit zu Oldenburg“, sagt der Dedesdorfer Ortsheimatpfleger Joost SchmidtEylers.
    Die Weihnachtsflut 1717 muss für das kleine Maihausen eine große Katastrophe gewesen sein. Nur die Häuser von Johann Icken und Johan Punt blieben verschont. Die Bezeichnungen „Diekhamm“ und „Reithhamm“ weisen auf die Zeit hin, in der das Dorf noch ohne Hauswurten war und einen eigenen Deich hatte.
    Maihausen gehörte zur Schulacht Wiemsdorf. Das hieß: Die Kinder gingen von 1632 bis 1889 auf einem Fußweg quer durchs Land zum Schulgebäude inmitten von Wiemsdorf. 1891 wurde die neue Schule am Ortseingang von Wiemsdorf (heute Bojunga) gebaut. Die Kinder gingen auf dem Weg und von 1907 an auf der neuen Klinkerstraße zur Schule
in Wiemsdorf. Es gab eine Ganztagsschule mit einstündiger Mittagspause. Für eine höhere Schulbildung mussten Privatschulen und Schulen in der Wesermarsch besucht werden. Im Besitz der Familie Pecksen befindet sich ein ausführlicher Lebenslauf von Johann Pecksen, der darin die Verhältnisse in Maihausen und umliegenden Ortschaften ausführlich und interessant beschreibt.

Armenhaus 1897 gebaut

Das Armenhaus der Gemeinde Landwürden wurde 1897 in Maihausen gebaut. Im Ersten Weltkrieg wurden darin 30 russische Gefangene mit drei Aufsehern untergebracht. Sie fanden Arbeit und Brot bei Landwirten in Landwürden, aber auch beim Reithmähen und beim Torfstechen im Moor. Nach dem Krieg wurde das Haus an Privatleute verkauft und ist heute ein Mehrfamilienhaus.
    In Maihausen gab es vor dem Zweiten Weltkrieg eine Pflichtfeuerwehr. 1949 wurde eine Freiwillige Feuerwehr gegründet und 1976 wegen zu geringer Mitgliederzahl aufgelöst. Nach der Auflösung besteht seit 1981 eine Verbindung zur Freiwilligen Feuerwehr Wiemsdorf.
    In Maihausen gab es früher vorwiegend landwirtschaftliche Betriebe und gibt es heute nur noch einen Großbetrieb mit Rinderhaltung und Reitpferden. Zudem gab es eine Tischlerei, einen Altwarenhändler und Hausschlachter, einen Maurerbetrieb und über mehrere Generationen die Gaststätte Heinecken mit einem angegliederten Fangstall. Darin wurde das Vieh von den Weiden zusammengetrieben.
    Vor der Eröffnung des Wesertunnels ging der Verkehr zur Weserfähre durch Maihausen. Heute, ohne den Durchgangsverkehr, ist Maihausen ein verträumter Ort in weiter Marschenlandschaft.

Chronik
Maihausen ist mindestens 737 Jahre alt. Der mit 47 Einwohnern kleinste Ort im NZ-Familientest ist im Jahr 1275 zum ersten Mal schriftlich erwähnt worden. Die Weihnachtsflut 1717. Im Jahr 1897 wurde das Armenhaus der Gemeinde Landwürden in Maihausen gebaut, das heute ein Mehrfamilienhaus ist.