Loxstedt

Foto der St.-Marien-Kirche in Loxstedt, Foto ©RTG

Informationen zu Loxstedt

  • 5.503 Einwohner (Januar 2012)
  • Sankt-Marien-Kirche mit Ursprung als Kapelle von 1371, frühe Deckenmalerei und Matthias-Schreiber-Orgel von 1769 - mehr Informationen
  • Sankt-Johannes-der-Täufer-Kirche - mehr Informationen
  • Heinrich-Luden-Denkmal - mehr Informationen
  • Schulwald mit Zwergstrauchheide, Magerrasen und naturnahem Kleingewässer, Nähe zu Kleingärten
  • Gertrudenpark zwischen Park- und Von-Marschalk-Straße
 
 
 
 

Nordseezeitung - Serie 'familienfreundlich' vom 20.07.2012

Der Bahnhof prägt Loxstedt

Hohewurth und Siedewurt gehören zum Ort – Heimatpflegerin kennt sogar die Familiengeschichten

Von BARBARA FIXY
LOXSTEDT. Loxstedt war und ist ein beliebter Wohnort. Das gilt nicht nur für die jungen Familien, die sich zurzeit im Neubaugebiet Littstücken niederlassen. Das muss auch schon vor rund 2000 Jahren gegolten haben, als genau an dieser Stelle andere Menschen sesshaft waren und von Loxstedt noch nicht gesprochen wurde. 264 frühgeschichtliche Grubenhäuser buddelten im Littstücken die Archäologen aus, bevor die Häuslebauer kamen.

Nordsee_Zeitung_2012_07_31_Loxstedt

Ein Kuppelofen aus dieser Grabung ist im Bürgerbüro des Loxstedter Rathauses zu besichtigen.
    Erstmals 1059 als Lacstidi erwähnt, hat Loxstedt sein 950-jähriges Bestehen 2009 gefeiert. Der Name wird als „Siedlung an einer Lache oder einem Sumpf“ gedeutet. Jenes Gewässer wird in grauer Vorzeit zwischen Loxstedt und Düring vermutet. „Loxstede“ ist dann 1247 in zwei Urkunden des Klosters Osterholz aufgeführt.
    Bewandert in der Heimatgeschichte ist die gebürtige Loxstedterin und Lehrerin im Ruhestand Anne-Marie Borck (84). Sie ist von Haus zu Haus gegangen und hat Unmengen von Text- und Bildmaterial über Loxstedt gesammelt, als sie das Amt übernahm.
    Borck hat sich auch mit der Geschichte Hohewurths befasst, das wie Siedewurt außerhalb Loxstedts liegt, aber dazugehört. Zwei Seen auf Hohewurth sind laut Borck beim Bau der Eisenbahn entstanden, die Loxstedt 1847 einen Bahnhof bescherte, der die Infrastruktur noch heute prägt. Der Ortsname beschreibt die hohe Wurth im Gegensatz zur
tiefer liegenden Siedewurt.
    Auf Hohewurth errichteten die Gebrüder Wohlers um die Wende zum 19. Jahrhundert einen Stall für 100 Mastochsen, die sie mit einem nahrhaften Abfallprodukt der Schnapsbrennerei fütterten. Die Brüder stammten aus einer Ziegelei in Nesse und errichteten später in Dünenfähr eine Schnapsbrennerei. Die Gastwirtschaft Hersemeier in Hohewurth
blickt auf eine lange Geschichte zurück und existiert noch heute.
    Unzählige Familienfotos wurden Borck überlassen, die sie wie einen Schatz hütet. Auf einem alten Bild ist Else Löwenberg zu sehen im Hochzeitskleid. „Familie Löwenberg war die einzige jüdische Familie in Loxstedt“, erzählt 
die Ortsheimatpflegerin. „Sie haben den richtigen Riecher gehabt und sind nach Argentinien ausgewandert“, berichtet sie, dass diese Familie dem Nazi-Terror entging.

Berühmter Sohn des Ortes

Am meisten beeindruckt aber ist Borck von der Karriere des gebürtigen Loxstedters und späteren Geschichtsprofessors Heinrich Luden (1778 bis 1847), nach dem die Grundschule benannt ist. Luden wurde 1810 in Jena zum Professor ernannt. Seine Vorlesungen, in denen er die Volkssouveränität forderte, erfreuten sich großer Resonanz bei den Studenten.
    Luden hatte erheblichen Anteil an der Gründung der Deutschen Burschenschaften, die beim Wartburgfest 1817 erstmals die schwarz-rot-goldene Fahne hissten. „Mit 17 Jahren ist er von Loxstedt weggegangen, dann nach Bremen aufs Gymnasium und nie wieder zurückgekehrt“, erzählt die Heimatpflegerin.
    An den berühmten Sohn Loxstedts erinnert das Bronze-Relief, das auf einem Stein an der Loxstedter St.-Marien-Kirche zur Bahnhofstraße hin angebracht ist. Einen kunsthistorischen Schatz birgt die Kirche mit der Deckenmalerei aus dem 15. Jahrhundert.
    Bis heute wirkt die Erfolgsgeschichte des Apothekers Oscar Neynaber (1863 bis 1946) nach, der in Loxstedt ein Zweitwerk der Bremerhavener „Ersten Deutschen Dampflebertran-Fabrik“ baute, das heute als Chemiewerk
Emery Oleochemicals einer der großen Arbeitgeber der Gemeinde ist.

Chronik
1059 ist Loxstedt erstmals als Lacstidi urkundlich erwähnt worden. Als bedeutendste Persönlichkeit gilt der Geschichtsprofessor Heinrich Luden (1778 bis 1847). Der Apotheker Oscar Neynaber (1863 bis 1946) bescherte dem Ort eine Lebertranfabrik, die noch heute als Chemiewerk weiterlebt.