Lanhausen

Blick von der Lunebrücke in Lanhausen, Foto ©RTG

Informationen zu Lanhausen

  • 241 Einwohner (Januar 2012)
  • Deckstation im Ortsteil Welle, Fohlen- und Stuten-Schau, Anmeldung 04744/1350.
  • Der Deckstellenleiter Detlef Müller (seit Mai 2007), war seit 1980 auf dem Landesgestüt in Celle beschäftigt. In der Celler Hengstparade führte er 18 Jahre lang die Ungarische Post vor.

Lanhausen - Giebel mit Clematis, ©RTG

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Nordseezeitung - Serie 'familienfreundlich' vom 20.07.2012

Brückenwirt ist Geschichte

Lanhausen besteht aus mehreren Ortsteilen – Alter Dorfkern an der Lune, Straßendorf Kiel und Welle

Von BARBARA FIXY
LANHAUSEN. Lanhausen liegt so nah an der Südgrenze Bremerhavens, dass man von hier aus die Silhouette Bohmsiels deutlich erkennen kann. Vor zwei Jahren hätte der Ort an der Lune seinen 900. Geburtstag feiern können. Denn 1110 ist Lanhausen zum ersten Mal urkundlich erwähnt worden, wie Ortsheimatpfleger Theodor Haxsen berichtet.

Nordsee_Zeitung_2012_07_20_LanhausenDer 75-Jährige ist Nachfahre jenes Ziegeleibetreibers Karl Heinrich Haxsen, der zwei Ziegeleien betrieb. Die erste brachte seine Frau Margarete Christine, eine geborene Pecksen, 1873 durch Erbschaft in die Familie, die zweite kaufte er selbst 1880 von Adolf Friedrich Honnen. Der Urenkel, Ortsheimatpfleger Haxsen, wohnt heute noch dort am Ziegeleiweg.
    Haxsen erinnert sich noch an die Zeiten, als es in Lanhausen kein fließend Wasser, sondern Zisternen und Handpumpen gab. „Brunnenwasser war in der Marsch nicht genießbar wegen seines hohen Salpeter- und Eisengehalts“, berichtet er. Für das Vieh pumpte Familie Haxsen Wasser aus der Lune. Trotzdem war es für die Familie nicht der ganz große Durchbruch, als es 1964 den Wasseranschluss gab. „Wir hatten schon Ende der vierziger Jahre eine Dusche, als im Keller ein Druckkessel eingebaut wurde“, berichtet Haxsen.
    6 von 24 Ziegeleien am Unterlauf der Lune sollen in Lanhausen gestanden haben. Vier fand Haxsen verzeichnet im Otterndorfer Kreisarchiv. Die Familie Ganten betrieb eine an der Schleuse, Familie Brackhahn eine an der Lune, Familie Hansing eine an der Lune bei Fleeste, dann ist da noch Haxsens Ziegelei.
    Das 243-Seelen-Dorf ist zersplittert in drei ganz verschieden geprägte Siedlungen. Die ersten Häuser wurden auf Wurten gebaut, wo einst der Brückenwirt das Bier ausschenkte an der Lunebrücke der Landesstraße 121. Heute ist von jener Gaststätte kaum etwas zu erkennen.
    In diesem Ur-Lanhausen hat die Bremerhavener Gesellschaft für Investition und Stadtentwicklung BIS vor wenigen Wochen den verfallenen Gantenhof abreißen lassen. Sie hatte den Hof für Ausgleichsmaßnahmen gekauft. „Die Familie Ganten ist hier ausgestorben“, berichtet Haxsen, der den Namen auch in einer Einwohnerliste von 1852 fand. Damals lebten in Lanhausen 69 Personen in zehn Haushalten. Auf dem Gantenhof wohnten damals sieben Menschen, darunter Mägde und Knechte. Alle waren Lutheraner wie auch die übrigen Lanhausener, was in der Liste ebenso akribisch vermerkt ist wie das Alter. Familie Ganten führte schon damals nicht den größten Haushalt. Den bildete Familie Becken mit 15, gefolgt von Familie Brexendorf mit 11 Personen.
    Durch den jüngeren Ortsteil Kiel mit den schwarz-weißen Begrenzungspfeilern am Straßenrand kommt, wer auf der L 121 weiter nach Ueterlande fährt. Die ersten Häuser wurden um 1900 als Straßendorf nach preußischem Plan gebaut, in den fünfziger Jahren ging der Hausbau hier weiter. In den Sechzigern und Siebzigern entstanden eine erste und dann eine zweite Siedlung.
    Der Name des Ortsteils hat nichts mit der schleswig-holsteinischen Landeshauptstadt zu tun. „Kiel bedeutet Keil“, sagt Haxsen. Hier erinnere die Bezeichnung daran, dass ein Flurstück von der Straße in zwei Keile zerschnitten wurde. Auch die Kielbrookstraße deutet auf diesen Vorgang hin.

Treffpunkt an Gretes Eck

In Kiel liegt Gretes Eck, ein Treffpunkt mit hölzernem Pavillon, Sitzgruppe und Spielgeräten. Dort hat Grete Weiß gewohnt, von der die Einwohner berichten, dass sie eine herzensgute Frau gewesen sei, die in ärmlichen Verhältnissen lebte. Sie hatte sich selbst ein einfaches Haus gebaut.
    Der Ortsteil Welle liegt am weitesten entfernt von all dem jenseits der Lune an der ehemaligen B6. Hier gibt es eine Deckstation. Früher wurden in Welle Stuten- und Fohlenschauen veranstaltet.

Foto fehlt leider
Lanhausen aus der Vogelperspektive:
Gezeigt wird der Ortsteil Kiel an der Landesstraße 121 mit den beiden Neubausiedlungen und zwei Baustellen, auf denen neue Häuser entstehen. Dieses Foto kann im Format 30 mal 40 Zentimeter auch in den NZ-Kundencentern in der Hafenstraße und der Oberen Bürger für 12,95 Euro bestellt werden. Außerdem können Sie das Bild auch im Internet ordern (www.nordsee-zeitung.de). Luftfoto Scheer

Chronik

Im Jahr 1110 wird Lanhausen erstmals urkundlich erwähnt. Der älteste Kern ist an der Lune entstanden und hieß Lunenti. Das bedeutete, dass das Dorf am Ende der Lune lag, was früher tatsächlich der Fall war. Die ersten Häuser im Ortsteil Kiel wurden um 1900 gebaut.