Holte

Foto der Lindenallee in Holte, Foto ©RTG

Informationen zu Holte

  • 72 Einwohner (Januar 2012)
  • alter Lindenbestand in der Holter Allee

 

 

 

 

 

 

 

Nordseezeitung - Serie 'familienfreundlich' vom 22.06.2012

Idylle am Autobahndreieck

A27, Luneverlegung, Zubringer zum Wesertunnel: Holtes Umgebung hat sich in 40 Jahren stark verändert

von BARBARA FIXY

Holte. Holte hat gerade mal 72 Einwohner, aber zwei Ortsteile – Vorder- und Hinterholte. Die beiden Siedlungen sind durch einen breiten Streifen Land voneinander getrennt, dass man fast auf die Idee kommen könnte, hier eine Autobahntrasse durchzuführen. Aber wer das wollte, müsste sich auf den Widerstand der Holter gefasst machen. Argwöhnisch verfolgen die Bürger des beschaulichen Dorfes südlich von Bremerhaven die Diskussion um den Verlauf der geplanten A20.

Holte besteht aus Vorder- und Hinterholte. Die beiden Siedlungen sind durch einen breiten Streifen Land voneinander getrennt. Dieses Foto kann im Format 30 mal 40 Zentimeter auch in den NZ-Kundencentern in der Hafenstraße und der Oberen Bürger für 12,95 Euro bestellt werden. Außerdem können Sie das Bild auch im Internet ordern (www.nordsee-zeitung.de). Luftfoto Scheer

Immer wenn in Loxstedt die Rede von der A20-Südtrasse ist, befürchten die Holter, dass sie mitten durch ihr Dorf gehen könnte.
    Denn die Holter sind in Sachen Straßenbau einiges gewöhnt. Seit den 70er Jahren haben drei große Infrastrukturmaßnahmen ihre Umgebung stark verändert. Zuerst wurde die A27 gebaut. „Dadurch wurden Moor- und Weideflächen vom Dorf getrennt“, berichtet Karsten Böckelken (70), der viel über die Geschichte seines Geburtsortes zu berichten weiß. In den 80er Jahren wurde die Lune verlegt, weil man auf der Luneplate großflächige Industrieansiedlungen plante. Seither fließt ein Fluss direkt an Holte vorbei, wo früher Weiden waren.
   Der Zubringer zum Wesertunnel kam in jüngster Zeit hinzu. Er war fertig, als der Wesertunnel 2004 eröffnet wurde. Die Fernstraßen führen so nah an Holte vorbei, dass man das Rauschen des Verkehrs hören kann. Der Ort liegt wie in einem Zwickel zwischen dem Zubringer zum Wesertunnel und der A27.
    Was die Holter mit dem rauschenden Verkehr ein wenig versöhnen mag, ist die Tatsache, dass sie in Windeseile in Bremerhaven, Bremen und auf der anderen Weserseite sind, denn sie leben direkt an der zentralen Anschlussstelle. Der Wesertunnel hat sich auf den innerörtlichen Verkehr entlastend ausgewirkt. Als in Dedesdorf noch die Fähre verkehrte, rauschten die Autos mitten durch Holte.
    Anschluss an den überörtlichen Verkehr hatte Holte auch früher schon mit dem Bahnhof der Niederweserbahn, die von Farge nach Bremerhaven fuhr. 1911 wurde sie eröffnet und 1964 stillgelegt. Man kann die Trasse noch erahnen. Im großen Bogen, den die Speckjer Straße macht, sieht man ein Relikt des Bahnsteigs auf der Weide.
Die Bezeichnung Speckje leitet Böckelken von Specken ab, was auf Hochdeutsch Reisig bedeute. Das wiederum deutet auf die Art hin, wie man in diesem Ortsteil früher die Wege in Richtung Maihausen-Dedesdorf befestigte: mit Reisig.
    Die Bezeichnung Holte kommt von Holz. Das Dorf liegt – im Westen umgeben von Marsch und im Osten von Moor – auf dem südlichen Ausläufer eines früher bewaldeten Geestrückens, der von Stotel herüberkommt.
    „Wenn den Bewohnern der tiefer liegenden Gebiete in Marsch und Moor in vergangenen Jahrhunderten das Wasser bis zum Hals stand, retteten sie sich vor den Fluten auf den Holter Geestrücken“, berichtet Böckelken. Aber sie bauten auch Kartoffeln und das Getreide für ihr Brot in Holte an, weil der Boden in der Marsch mit den damaligen Geräten kaum zu bearbeiten war.
    Auf diesem Geestrücken hatte man auch ein adliges Gut gebaut, das in der Zeit von 1371 bis 1470 den Herren von Nagel gehörte, wie Heinrich Schriefer in seinem Buch „Hagen und Stotel“ schreibt. Laut Böckelken hat es zum Schutz gegen die Oststedinger Bauern gedient, die als wehrhaftes Völkchen bekannt waren. Dieses Gut steht heute noch und wird von der Familie Bellmer bewirtschaftet. Im Buch über Hagen und Stotel ist auch eine Postkarte von der ehemaligen „Schänkwirtschaft“ F. Bötjer in Holte bei Stotel abgebildet. Die Gastwirtschaft gibt es ebenso wie die einklassige Schule nicht mehr. Sie lag in Vorderholte an der Speckjer Straße, die zur Weserfähre führte.

Chronik

Vom Gut in Holte ist überliefert, dass es von 1371 bis 1470 den Herren von Nagel gehörte. Die A27 führt seit den 70er Jahren am Dorf vorbei. In den 80er Jahren wurde die Lune verlegt und fließt seither am Dorf vorbei. Der Zubringer zum Wesertunnel führt ebenfalls am Dorf vorbei und wurde 2004 fertig.