Hahnenknoop

Foto Herbstimpression im Hahnenknooper Wald, Foto ©RTG

Informationen zu Hahnenknoop

  • 252 Einwohner (Januar 2012)
  • Ausgeschilderte Wanderwege ab Gasthof Bathmann
  • Wanderweg ab L 135 Richtung Drostendamm (Rundweg)
  • Wanderweg ab Sandberg (Rundweg)
  • Radweg entlang des Königsmoores
  • Reitsportanlage St. Georg

Etwas Geschichtliches

  • 1718 nur 1 Hof
  • 1794 Gründung einer staatlichen Moorkolonie
  • 1840 wurde Hahnenknoop zur Landgemeinde
  • 1857 Gründung Moorkolonie Drostendamm (Moorhufendorf)

 

 

 

Nordseezeitung - Serie 'familienfreundlich' vom 05.06.2012

Der alte Findorff stand Pate

Hahnenknoop vermutlich nach einer Frau benannt – Vorfahren gründeten drei Kolonien im Moor

Hahnenknoop ist noch heute geprägt von Wald und Moor. Dieses Foto kann im Format 30 mal 40 Zentimeter auch in den NZ-Kundencentern in der Hafenstraße und der Oberen Bürger für 12,95 Euro bestellt werden. Außerdem gibt es das Bild auch im Internet (www.nordsee-zeitung.de). Luftfoto Scheervon BARBARA FIXY 
HAHNENKNOOP. Wer durch Hahnenknoop fährt, sieht im Mai zwei imposante Kastanien an beiden Straßenseiten blühen, sieht Autowerkstatt, Gasthof Bathmann, die etwas tiefer gelegte Schützenhalle im mediterran anmutenden Baustil und die Gärtnerei an der Straße. Lisa Hülseberg ist vor 74 Jahren in dieses Dorf hineingeboren worden und hat mit eigenen Augen gesehen, wie sich alles entwickelt hat.

Hahnenknoop liegt etwa zehn Kilometer südlich von Bremerhaven beiderseits der Landesstraße 135, der ehemaligen B6, die von Bremen nach Bremerhaven führt.

   Die Bauersfrau und Ortsheimatpflegerin Hülseberg lebt hier auf der ersten Hofstelle, die aktenkundig wurde, als die Siedlung noch „Vor dem Stoteler Moor“ hieß. Die 74-Jährige grub nach den geschichtlichen Wurzeln ihres Heimatortes, stöberte in Archiven, fragte Bewohner und veröffentlichte ihre Funde im Buch „Vom Vorwerk zum Dorf“, das bis auf wenige Exemplare vergriffen ist. Der Hof ihrer Familie liegt abseits der Hauptverkehrsstraße am „Alten Damm“, über den früher die Postkutsche von Wulsdorf über Stotel und Hahnenknoop nach Bremen holperte.
   Bis 1248 gehörte der Hof den Grafen von Stotel, dann ging die Herrschaft zum Gut Blumenthal über. Immer wurden hier Schafe gehütet. „So einen Hof in gewisser Entfernung vom Gutshof nannte man Vorwerk“, berichtet Lisa Hülseberg. Er ersparte den weiten Weg vom Gut zur Weide.
Hahnenknoop liegt auf einem Geestrücken im Moor. Der Wald, den man heute im Vorbeifahren sieht, ist auf einer Karte von 1756 mehr als doppelt so groß eingezeichnet und dehnte sich nach Norden aus. Was Durchreisende nicht sehen, sind die Moorsiedlungen parallel zur Straße.
   Drei Mal gründete man in Hahnenknoop eine Moorkolonie in Anlehnung an das Modell des Jürgen Christian Findorff (1720 bis 1792). 1794 begann der erste Versuch im Hahnenknooper Moor. Er blieb im Ansatz stecken, als zwischen 1818 und 1832 die Bremer-Leher-Straße gebaut wurde, die heutige Landesstraße. Die Straße führte mitten durch die begonnene Siedlung. Wenn man aus Hahnenknoop hinaus nach Stotel fährt, sieht man die Häuser dieser verhinderten Kolonie an beiden Straßenseiten.

Erinnert ans Teufelsmoor

Der zweite Versuch am Drostendamm auf östlicher Seite der Straße funktionierte. Die Kolonisierung begann 1853 am Kirchweg der Hetthorner Drosten nach Bramstedt. Drosten, das waren die Amtspersonen auf dem heutigen Hof Becken in Hetthorn. Zum Drostendamm biegt man an der Gärtnerei ab, fährt eine Weile, kurvt um den Friedhof herum, fährt wieder eine Weile und entdeckt linker Hand eine Kulturlandschaft, die stark ans Worpsweder Teufelsmoor erinnert.
   Für die dritte Moorkolonie, die man heute auf der westlichen Seite der Landesstraße „Hinter dem Busch“ findet, schickte man 1909 Strafgefangene aus Lüneburg, die das Moor entwässerten. 1919 wurde in Hahnenknoop sogar eine Torffabrik gegründet.
   Das Verhältnis zum Hahnenknooper Moor hat sich gewandelt. Heute steht es unter Naturschutz. 1974 vereitelten der damalige Heimatpfleger Karl Augustin und seine Mitstreiter hier die Einrichtung einer Mülldeponie. Augustin erregte später Aufsehen durch seine Methode der Renaturierung und seine Versuche, das Birkwild wieder anzusiedeln.
   Wie aber kam Hahnenknoop zu seinem Namen? „Wohl durch eine Frau, die aus einem Ort gleichen Namens aus der Wesermarsch kam“, vermutet Lisa Hülseberg. Nur fehlt ihr der letzte Beweis, was sie sehr bedauert. Jene Frau hieß Tine Hanenknop und heiratete anno 1600 den Bernd Weymann. Der bewirtschaftete zu jener Zeit die Schäferei vor dem Stoteler Moor – die Hofstelle, auf der Lisa Hülseberg lebt.

Chronik

1600: Tine Hanenknop, nach der der Ort unter Umständen benannt wurde, heiratet Bernd Weymann, der den zuerst gebauten Hof am Ort bewirtschaftet.
1853: Moorkolonie am Drostendamm gegründet.
1974: Bürgerinitiative verhindert Mülldeponie im Moor.