Fleeste

Foto eines Hofes in Fleeste, Foto ©RTG

Informationen zu Fleeste

  • 124 Einwohner (Januar 2012)
  • Weite Marschlandschaft
  • Reetgedeckte Bauernhöfe

Foto der Marschlandschaft bei Fleeste, Foto ©RTG

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Nordseezeitung - Serie 'familienfreundlich' vom 15.05.2012


Ziegel in Fleeste gebrannt

Die Lune diente als Binnenschifffahrtsweg – Einwohnerzahl nach dem Zweiten Weltkrieg verdoppelt


Fleeste liegt an einer Schleife der alten Lune. Die Ortschaft ist 1105 zum ersten Mal unkundlich erwähnt worden. Luftfoto Scheervon BARBARA FIXY
FLEESTE. Die alte Lune war ein Binnenschifffahrtsweg, als es die ehemalige B6 noch nicht gab. Darauf zogen die Torfkähne aus den Moorkolonien Heise/Kransmoor nach Wulsdorf. Wenige Kilometer südlich davon liegt Fleeste, das im Jahr 1105 zum ersten Mal urkundlich erwähnt wird.

Die Fleester lebten nicht von der Landwirtschaft allein. Sie brannten Ziegel, wie das übrigens in 24 Ziegeleien an der Lune zwischen dem heutigen Bremerhaven und Stotel geschah. Nur zwei dieser Ziegeleien lagen auf Fleester Gebiet. Die erste, in Richtung Stotel gelegen, gehörte Carl Becken aus Hetthorn und Carsten Becken aus Fleeste, die zweite lag an der Balge, der Grenze zu Lanhausen, und gehörte den Brüdern Jacob und Wilhelm Stahmer – ebenfalls aus Fleeste.

   Onno Stahmer (74), Jacob Stahmers Urenkel, könnte heute noch Ziegel brennen, wenn’s gewünscht wäre. „Die alte Generation weiß noch, wie das geht“, sagt der Fleester Heimatpfleger.

   Die verfallene Scheune einer dritten Ziegelei sehen die Fleester noch heute jenseits der Lune. Sie gehörte der Familie Wohlers und produzierte von den Ziegeleien am Unterlauf der Lune am längsten – bis 1970.

   Durch die Ziegeleien gab es in Fleeste Gastarbeiter, lange bevor man diesen Begriff kannte. Im Frühjahr kamen sie aus Schaumburg-Lippe und gingen im Herbst zurück in ihre Heimat. Im Winter ruhte die Produktion, weil die Ziegel nicht getrocknet werden konnten. Die Arbeiter lebten auf der Ziegelei, sorgten aber dafür, dass die Ladenklingel des Kolonialwarenladens öfter ging und die vier Wirtschaften im Dorf gut liefen. Ihre Blütezeit hatten die Ziegeleien Ende des 19. Jahrhunderts, bis in Bremerhaven das Kalksandsteinwerk gegründet wurde. Für die Beschäftigten der Wohlersschen Ziegelei gab es zunächst eine kleine Fähre, dann eine Brücke über die Lune, die ebenfalls Geschichte ist. Aber die Erinnerung ist noch wach. 2008 kam im Rahmen der Dorferneuerung, die Fleeste zusammen mit Lanhausen, Overwarfe und Ueterlande betreibt, eine neue Brücke über die Lune in der Fleester Ortsmitte auf den Wunschzettel. Gegenwärtig beschert die Dorferneuerung Fleeste ein erweitertes Feuerwehrhaus und einen Buswendeplatz.

   Die Fleester Schulgeschichte ist ein besonderes Kapital der Chronik, die Onno Stahmer schrieb. Sierich Pecksen und Hinrich Becken hatten den Fleestern für die Bildung ihrer Kinder um 1696 einen Raum in einer Scheune vermacht auf einem Grundstück, das sie weiter nutzen wollten. Sie hatten sich dazu verpflichtet, den Schulraum in Ordnung zu halten.

Schulträgerschaft als Last

Das mag gut im Sinne der Fleester gewesen sein, doch es gefiel Pecksens Erben nicht. 1727 versuchten sie, die Schenkung rückgängig zu machen. Schließlich verkauften sie das Grundstück für 50 Thaler an Hinrich Pecksen. 1871 wurde der erbärmliche Zustand dieser Schule erfasst. Danach gelang es Margarethe Pecksen, die Familie endgültig von der Last der Schulträgerschaft durch Zahlung von 450 Thalern zu befreien. Der Schulzweckverband Fleeste-Lanhausen nahm das Geld und baute eine neue Schule dort, wo heute die K57 von der L121 nach Fleeste abzweigt. 

   „Fleeste“, sagt Onno Stahmer, „hat die ganze Zeit bis heute um die 100 Einwohner gehabt.“ Nur nach dem Zweiten Weltkrieg hat sich die Zahl verdoppelt, als die Flüchtlinge aus dem Osten und die Ausgebombten aus Bremerhaven „einquartiert“ wurden. „Wir selbst haben zwei Räume abgegeben“, erzählt Stahmer. Sein Vater Fritz war damals Bürgermeister und musste manchen Fleester zur Gastfreundschaft überreden. „Für uns Kinder war es toll. Vor dem Krieg hatten wir einen oder zwei Freunde, danach immer jemanden zum Spielen.“

Chronik

1105: Fleeste wird zum ersten Mal urkundlich erwähnt
1871: Margarethe Pecksen befreit sich von der Schulträgerschaft durch Zahlung von 450 Thalern
2008: Die Fleester planen zusammen mit Lanhausen, Overwarfe und Ueterlande die Dorferneuerung, die gegenwärtig ausgeführt wird