Eidewarden

Foto von drei reetgedeckten Häusern in Eidewarden, Foto ©RTG

Informationen zu Eidewarden

  • 384 Einwohner (Januar 2012)
  • Reetgedeckte Häuser in der Eidewardener Straße
  • 5 Jahres-Experiment des Hansestadt Bremischen Amtes (ab 1997). Umgestaltung der Tegeler Plate zu „unberührter Natur“ als naturnahe Flusslandschaft mit Laichplätzen, Watt, Simsen-Röhricht und Schilf, drei kleinen Seen als Rastplätze für Entenvögel und Rückzugsgebiete für Weißfische sowie eine künstliche Dünenlandschaft
  • Informationstafel am Markthamm über die Geschichte Landwürdens

 

Nordseezeitung - Serie 'familienfreundlich' vom 08.05.2012

Mit dem Nachbarn Dedesdorf zusammengewachsen: Das 370-Seelen-Dorf Eidewarden, das direkt an der Weser liegt. Luftfoto ScheerFest in Oldenburger Hand

Eidewarden gehörte jahrhundertelang zur Wesermarsch – Schwein ins Kinderkarussell gesetzt

Von INGA HANSEN
EIDEWARDEN. Es ist 30 Jahre her, da probten die Eidewardener den Aufstand. Streitbare Anwohner, zumeist allerdings Zugezogene, pochten auf die Selbstständigkeit des alten Bauerndorfes, das direkt an Dedesdorf grenzt. Am Friedhof stellten sie ein eigenes Ortsschild auf. Um sich endlich einmal gegenüber dem kleineren, aber übermächtigen Dedesdorf zu behaupten, das durch seine Weserfähre weithin bekannt war.

Dabei haben die beiden Dörfer an der Unterweser eine gemeinsame Geschichte. Geprägt ist sie durch den Strom. Schon vor 800 Jahren ruderte ein Fährmann die Edelleute aus Oldenburg zu ihrer Enklave Landwürden (Land der Wurten) auf der anderen Weserseite. Dort stand damals auf einer großen Wurt eine Kapelle, die Bernhard von Sachsen um 1050 errichtet und dem heiligen Theodulf geweiht hatte. Aus der Wurt Thiededolfestorp, nach Theodulf benannt, wurde Dedesdorf, aus der Kapelle die St.-Laurentius-Kirche mit ihrer berühmten Arp-Schnitger-Orgel, aus der Nachbarwurt Eidenworth Eidewarden. Die Wurt lag damals viel weiter im Westen, dort, wo heute die begradigte Weser fließt.
    Die Kirchengemeinde gehört noch heute zu Oldenburg – Überbleibsel aus der jahrhundertelangen Bindung an die andere Weserseite. Bis 1974 gehörte die Gemeinde Landwürden mit den Dörfern Dedesdorf, Eidewarden, Overwarfe, Ueterlande, Wiemsdorf, Maihausen, Indiek und dem südlichen Teil von Büttel zum Landkreis Wesermarsch. Die Kinder gingen damals in Nordenham zum Gymnasium, die Landfrauen schipperten zu ihren Verbandsschwestern auf die andere Weserseite, die Jugend amüsierte sich am Wochenende in Brake.

Fähre legte einst im Dorf ab

Eidewarden ist erst mit der Zeit zur heutigen Größe gewachsen. „Die Häuser im Süden, die an Dedesdorf grenzen, sind nach 1700 gebaut worden, die im Norden, auf dem Jück, erst nach der Sturmflut von 1825“, erzählt Heimatpfleger Joost Schmidt-Eylers. Und die Fähre, jahrzehntelang das Wahrzeichen von Dedesdorf, habe einst auch am Eidewardener Siel abgelegt, „dort, wo heute der Hof Gräper ist“. Von dort aus, erzählt Schmidt-Eylers, seien Güter bis nach Holland transportiert worden. So sollen auch die berühmten blau-weißen Delfter Kacheln, die das heutige Seniorenheim Amer – einst ein Hotel – schmücken, an die Weser gekommen sein. „Die wurden damals als Beschwerung für die Schiffe benutzt“, sagt Schmidt-Eylers.
    In den 50er Jahren rückte Eidewarden enger an Dedesdorf heran, zwischen Kanal und Wiemsdorfer Kirchweg entstanden die „Siedlungen“, in denen viele Flüchtlinge aus dem Osten teilweise mit staatlicher Hilfe ihr Häuschen bauten. Maßgeblichen Anteil daran hatte der damalige Bürgermeister Wilhelm Suhrhoff, der jahrelang für die SPD im Braker Kreistag saß.
    Auch der berühmte Dedesdorfer Markt findet schon seit dem 19. Jahrhundert auf Eidewardener Grund statt. Damals musste der Rummel, der 1149 als Viehmarkt auf dem Kirchhof gestartet war, umziehen, weil das bunte Treiben sich mit der Andacht nicht mehr vertrug. Dass bei diesem Großereignis ein lebendes Schwein versteigert wird, passiert übrigens erst seit 1959. Damals hatten angetrunkene Jugendliche bei Nacht und Nebel aus dem Schweinestall des Gemeindedirektors einen jungen Eber namens Nuffi stibitzt und diesen auf dem Markt in ein Kinderkarussell gesetzt. Bei dem Schabernack brach sich das unglückliche Borstentier eines der vier Eisbeine. Das Tier musste notgeschlachtet werden.
    Pfiffige Geschäftsleute wie Gastwirt Heinz Tönjes und Fleischermeister Rolf Bode griffen diese „Schweinerei“ auf und begannen in einem kleinen Zelt auf dem Marktplatz mit der Versteigerung eines lebenden Borstenviehs. Heute ist die Schweineauktion alljährlich der Höhepunkt des Marktes und lockt Prominenz aus der ganzen Region an.

Chronik
1110 wurde Eidewarden als Eidenworth erstmals genannt. Das Bauerndorf an der Weser, das heute mit Dedesdorf zusammengewachsen ist, gehörte wie ganz Landwürden jahrhundertelang zu Oldenburg.