Dedesdorf

Foto Eingang St.-Laurentius-Kirche in Dedesdorf, Foto ©RTG

Informationen zu Dedesdorf

  • 204 Einwohner (Januar 2012)
  • St.-Laurentius-Kirche mit Arp-Schnitger-Orgel - mehr Informationen
  • 40 Stelen und 17 Grabplatten auf dem Kirchen-Anger
  • Kirchenarchiv im Laurentiushaus
  • Galerieholländer-Windmühle
  • Wesertunnel 
  • Französisches Wachthaus, 1811- 1813 Zollstation (Amtsweg)
  • Baum von etwa 1908 mit nussähnlicher Frucht (beim Franzosenhaus)
  • Sturmflutpegel am Weserdeich
  • 2.100 Delfter Kacheln mit handgemalten Motiven aus dem 18. Jh., Tel. 04740/93930, Pflegeheim Amer
  • Slipanlage für Boote

 

Nordseezeitung - Serie 'familienfreundlich' vom 13.04.2012

Eng verwachsen: Auch aus der Luft wirken Dedesdorf im Vordergrund und Eidewarden im Hintergrund wie eine Einheit. Luftfoto ScheerStrandräuber schwören ab

Von BARBARA FIXY
DEDESDORF. Strandräuber, das waren die Dedesdorfer und die Bewohner der Nachbardörfer an der Weser im Süden Bremerhavens vor langer Zeit. Das hat den reichen Kaufleuten der Hansestadt Bremen nicht gefallen, deren Handelsschiffe die Weser hinauf und hinab segelten. Anno 1285 mussten die Schulzen (Ratsherren) des gesamten Landes Wührden denn auch in der Kirche zu Elsfleth den Bremern Urfehde schwören.

„Das bedeutete, dass sie die Schiffe in Ruhe lassen wollten“, erzählt Heimatpfleger Joost Schmidt-Eylers. Er ist stolz, eine Kopie dieser Urkunde zu besitzen. Sie belegt, dass Dedesdorf damals zu Oldenburg gehörte. Es taucht erstmalig der Name „universitas terrae Wordensis“ auf; damit kann das Jahr 1285 als Gründungsjahr der Gemeinde Landwürden betrachtet werden.
    Die Zugehörigkeit wechselte in den vergangenen 1000 Jahren zwischen Oldenburg, Bremen, Dänemark, Frankreich und nach dem Zweiten Weltkrieg auch England. Aus der kurzen französischen Zeit steht noch das sogenannte Franzosenhaus. Meist aber gehörten die Dedesdorfer zu Oldenburg – bis zur Gebietsreform 1974. „492 Jahre lang“, hat Schmidt-Eylers ausgerechnet.
    Bis 1974 wurde Landwürden von Dedesdorf aus regiert. Das Gemeindebüro war im alten Feuerwehrhaus, in dem unten Postbus und Feuerwehrauto je eine Garage hatten. Im Obergeschoss lagen Ratssaal und Büroräume. „Unten gab es ein Besprechungszimmer für Leute, die nicht so gut zu Fuß waren“, erinnert sich Schmidt-Eylers. Heute gehört das alte Rathaus dem Wassersportverein und wird als Bootshaus und Clubhaus genutzt.
    Dedesdorf ist überregional bekannt, teilweise ging sein Name sogar um die Welt. Als im japanischen Kobe 1995 ein starkes Erdbeben wütete, kam Dedesdorf in die Schlagzeilen, denn die Blockhäuser der ortsansässigen Firma Bode hielten stand, während alles drum herum zusammenfiel. Das Dedesdorfer Unternehmen existiert seit 12 Jahren nicht mehr.
    Als am 20. Januar 2004 der Wesertunnel eröffnet wurde, legte in Dedesdorf die letzte Weserfähre nach Kleinensiel ab. Der Fährbetrieb wurde nach 441 Jahren eingestellt. Eine Fotografie aus den 20er Jahren zeigt, wie die Leute manierlich am Anleger standen. Hier warteten auch die Dedesdorfer Schüler, wenn sie die weiterführenden Schulen auf der anderen Weserseite besuchen wollten. Seit der Gebietsreform fahren die Schüler mit dem Bus nach Loxstedt oder Bremerhaven.

Hafen hat sich verändert

Am Hafen hat sich viel verändert. Statt des alten Deichschaarts gibt es eine Auffahrt über den Deich. Der „Weserhof“ wurde aus Gründen der Deichsicherheit abgerissen. Das bekannte Ausflugslokal war in den Deich gebaut. Gegenüber machte später der „Deichgraf“ dicht. Die Dedesdorfer Hochzeitsmühle im Ortsteil Oldendorf steht leer. Der Fernverkehr rauscht an Dedesdorf vorbei durch den Tunnel.
    Um 1050 wurde in Thiedolstorp, dem heutigen Dedesdorf, eine Kapelle gebaut. Später wurde an der Stelle eine Kirche errichtet. Bestand hat seit mehr als 800 Jahren der Dedesdorfer Markt mit dem Schweinemarkt, der um den 10. August stattfindet, dem Namenstag des heiligen Laurentius. Nach ihm ist die Dedesdorfer Kirche benannt. Sie gehört noch immer zu Oldenburg. Nach dem tragischen Unfalltod der Pastorin Manuela Wüsteney im vergangenen Jahr hat der Kirchenrat ihre Amtskollegin Bettina Roth aus Esenshamm gewählt und damit die Zugehörigkeit zur Oldenburger Landeskirche bekräftigt.
    Dedesdorf ist viel kleiner als sein Ruf. Nur das alte Dedesdorfer Siel trennt es vom Nachbarort Eidewarden. Der Dedesdorfer Markt liegt schon im Nachbardorf. Der Markthamm liegt einen Steinwurf von der Dedesdorfer Kirche entfernt und gehört doch zu Eidewarden. Beide Dörfer sind zur Einheit verwachsen.

Aus der Chronik
um 1050: Bau einer Kapelle in „Thiedolstorp“
1285: Gründungsjahr der Gemeinde Landwürden
Januar 2004: Der Wesertunnel eröffnet, die Weserfähre nach Kleinensiel stellt den Betrieb ein